„fifty/fifty“ und Verwaltung


  1. Anbindung

    Die Einrichtung eines fifty/fifty-Projekts kann Irritationen und unnötige Konflikte bewirken, weil es sich nicht glatt in die etablierten Verwaltungsstrukturen integrieren lässt, sondern quer zu den üblichen Zuständigkeiten arbeitet. Deshalb müssen die Einbindung in die Verwaltung wie die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen vorab geklärt werden.

    fifty-fifty und Verwaltungfifty/fifty initiiert Verhaltensänderungen, nämlich den richtigen Umgang mit Energie im Schulalltag. Die sind das Kerngeschäft der Pädagogik („Erziehung“). fifty/fifty ist also von seiner Arbeitsweise her betrachtet ein pädagogisches Konzept und gehört demzufolge in die Bildungsabteilung. Die von fifty/fifty bewirkten Verhaltensänderungen beziehen sich konkret auf den Umgang mit Thermostatventilen, Fenstern, Lichtschaltern, Heizkesseln, also die Gebäudetechnik. Die fällt in die Zuständigkeit der Bauabteilung. Deshalb gehört fifty/fifty dorthin. Von seiner allgemeinen Zielsetzung her ist fifty/fifty ein Klimaschutzprojekt. Und der Klimaschutz ist in der Regel Sache des Umweltreferats. Also gehört fifty/fifty auch dorthin.

    Die verwaltungstechnische Zuordnung eines fifty/fifty-Projekts ist also ein Dilemma; jede Entscheidung ist in einer Hinsicht richtig, in doppelter Hinsicht aber falsch. Eine „richtige“ Lösung gibt es nicht.

    Das kann zu Kompetenzstreitigkeiten führen. Dazu ein Beispiel: Aus pädagogischer Sicht ist es wichtig, dass Schüler und Lehrer den richtigen Umgang mit Thermostatventilen lernen, also selbst Verantwortung für die richtige Raumtemperatur übernehmen. Das kann aber natürlich nur klappen, wenn die zuständige Bauabteilung auch dafür sorgt, dass die Ventile regelbar und nicht festgestellt sind.

    Ein fifty/fifty-Projekt ist daher – gleich, wo es verwaltungstechnisch angebunden wird – auf den Konsens und die Kooperation der beteiligten Verwaltungslinien angewiesen. Es ist es also wichtig, alle betroffenen bzw. beteiligten Mitarbeiter von Beginn an einzubeziehen und für die Unterstützung des Projekts zu werben und sie kontinuierlich über den weiteren Projektverlauf zu informieren.

  2. Finanzierung

    fifty/fifty ist erfolgreich, weil es die Akteure in den Schulen für ihren Einsatz finanziell belohnt. Die Einsparungen, die sie erzielt haben, gehen aber nicht aus den Rechnungen der Energieversorger hervor, die von der Stadt zu begleichen sind, sondern werden aber nur rechnerisch nach dem fifty/fifty-Verfahren ermittelt. Sie tauchen im Haushaltstitel für Energie also nicht auf. Zudem ist dieser Titel ja kein Geldsack, aus dem man einfach ein paar Handvoll herausnehmen könnte, um sie Lehrern und Schülern in die Hand zu drücken.

    Die Finanzierung der fifty/fifty-Prämien ist deshalb haushaltstechnisch keine ganz einfache Operation und erfordert unbedingt die frühzeitige Einbeziehung der Finanzabteilung/des Kämmerers. Nichts lässt ein fifty/fifty-Projekt so schnell scheitern wie zugesagte Einspar-Prämien, die nicht ausgezahlt werden können wegen unzureichender haushaltstechnischer Voraussetzungen.